Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : Borussia Mönchengladbach (4)
Hat sich im Winter wirklich etwas geändert? Hat die Ankündigung des Reus-Transfers zum Sommer seine Spuren hinterlassen? Nüchtern betrachtet nicht. Die Abwehr ist unverändert hochklassig, das Reus es ebenso ist, lässt sich konkret in Zahlen ausdrücken und zudem wussten die Fohlen inzwischen auch spielerisch zu überzeugen.
Doch eine wichtige Entwicklung gibt es: Plötzlich wird über die Zukunft diskutiert. Ein Jahr lang lebte Mönchengladbach in dem Moment. Zunächst der Klassenkampf, der Bundesligaverbleib, dann die Euphoriewelle, die weit trug. Würdigung erfuhr Gladbach dafür ausreichend. Aber mit dem Wechsel sehen jetzt einige das Kartenhaus zusammenbrechen.
„Ich halte das alles für Hysterie“, versucht Sportdirektor Max Eberl zu beschwichtigen. Schlecht nur, wenn selbst der Trainer Lucien Favre nun die Felle davon schwimmen sieht: „Wenn man ein Team aufbauen will und hat den ersten und zweiten Stock schon gebaut - und dann kommt ein Sturm und fegt einen entscheidenden Teil weg, steht man hinterher meist schlechter da als vorher.“ Seine Angst ein zweites Berlin zu erleben, noch mal mit einer schwachen Rückrunde, die hohen Ambitionen begraben zu müssen, scheint sehr konkret zu sein.
Dabei hängen die Befürchtungen nicht nur mit dem Reus-Wechsel zusammen – immerhin spielt Reus ja noch eine halbe Saison. Und das sogar mit gewohntem Engagement: Marco Reus hat nicht einen Funken seiner Spielfreude, seines Selbstbewusstseins und seines Engagements für den Verein eingebüßt.“ (Westdeutsche Zeitung)
Die Befürchtungen sind deshalb angebracht, weil Gladbach eigentlich da oben nicht hin gehört. Dass Gladbach eine Saison über dem Niveau spielt, steht außer Frage. Das allein ist genug Stoff, um über einen möglichen Einbruch zu diskutieren. An Dortmund glaubten letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt auch längst nicht alle.
Inwieweit die Spieler sich in diese Materie herein denken und fühlen, wird am Ende über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Berichte aus dem Trainingslager, mit 15-köpfigen Playstation-Abenden, suggerieren aber nicht das dazu passende Bild. Bleiben alle verletzungsfrei (nicht wie bei Favres Berlin-Alptraum) gibt es keinen anderen Grund, warum Gladbach in der Rückrunde untergehen sollte. Das Defensivkonzept ist einfach zu stabil, als das es dieses Jahr geknackt werden könnte.