Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : FC Schalke 04 (3)
In Schalke sind Männer am Werk. Besser gesagt, im Werk. Dreckverschmiert, standesgemäß blue collar — obwohl ganz in weiß — standen sie da im Bergwerk Auguste Victoria und grinsten und träumten. Ein Angestellter der Grubenwehr erzählte dem Anderen einen Witz: „Was ist der Unterschied zwischen dem FC Schalke 04 und einem Gesellen? Der Geselle kann noch Meister werden.“
Huntelaar fand das nicht witzig und nahm bei diesem, wie auch bei vielen anderen Anlässen zuvor, das böse M-Wort selbst in den Mund und widersprach: „Natürlich können wir Meister werden.“
Gesundes Selbstbewusstsein hat noch niemandem geschadet. Dem destosterontriefenden Kader von Schalke, mit ihren alten Mannsbildern, schon gar nicht. Es scheint, als dass Schalke kein Wässerchen trüben könnte. Der Tritt von Jones gegen Reus, ein Akt der Kompromisslosigkeit, und der unbekümmerte Umgang damit, als Sinnbild der Schalker Mentalität.
Egal ob der Trainer Magath, Rangnick, Eichkorn oder Stevens heißt. Und egal ob sie mit Tanne, 4-2-3-1, 4-3-3, Pressing, Defensivtaktik, Konterfußball, mit einer, zwei oder drei Spitzen spielen. Die Ergebnisse sind da. Schon bewundernswert, dieses Selbstverständnis. Das sich in Gelsenkirchen zudem paart mit der fast schon teilnahmslosen Gelassenheit von Horst Heldt, der Erfahrung von Raúl und Stevens, sowie der Jugendlichkeit von Matip, Papadopoulos, Draxler, Höger oder Holtby. Eine gute Mischung.
So wird man das Gefühl nicht los, dass es keinen umwirft, wenn es statt der Meisterschaft wieder nur einer der drei Plätze dahinter wird. Passieren kann das, denn Schalke ist angewiesen auf Huntelaars Tore und war angewiesen auf Jermaine Jones, der acht Spiele fehlen wird. Ein Schlag in die Magengrube. Mit Jones fehlt das „Ein-Mann-Bollwerk“ (Königblog), das Stevens nicht einfach ersetzen kann.
Zudem kommt mit Chinedu Obasi einer, der die Farfan-Rolle des Flügelbeackerers übernehmen soll. Eine abermalige Umstellung der Grundformation ist wohl kaum zu umgehen. Es wäre aber töricht zu denken, dass deswegen irgendeiner die Nerven verliert.