Die Rekordmeister FCB und BFC
Während der deutschen Teilung, hieß es in der Bundesrepublik: Es gibt einen deutschen Staat und eine deutsche Nation. Der Staat, das war die Bundesrepublik. Die DDR erkannte man nicht an. Die deutsche Nation, das war die Gesamtheit der Deutschen und schloss alle Menschen mit ein, die eine gemeinsame deutsche Kultur- und Sprachgeschichte aufzuweisen hatten. Die Nation war also auch jenseits von Magdeburg, wo laut Adenauer die „sibirsche Steppe“ begann, und sogar jenseits der Oder-Neiße-Linie.
In der DDR sah man das ähnlich, nur erkannte schon immer an, dass seit 1949 eben zwei deutsche Staaten existieren, die sich eine gemeinsame Nationengeschichte teilen. Die Ostpolitik Brandts änderte dies in dem Sinne, dass die BRD, durch die völkerrechtliche Anerkennung des sozialistischen Staates, diese Sichtweise übernahm. Die BRD erkannte an, dass diese Interpretation des Status Quo die Richtige war und für die komplette Zeit der deutschen Teilung auch sein wird.
Wenn also heute eine Aufstellung der deutschen Rekordmeister erstellt wird, müssen die DDR-Meister mit berücksichtigt werden. Egal wie sehr dies von den Ergebnissen der Wiedervereinigung in Frage gestellt wird, und egal, wie anders die Praxis ist. Eine Rekordmeistertabelle, die die DDR-Meister ausblendet, zeigt nicht die deutschen Rekordmeister, sondern höchstens jene des DFB. Und wer will schon DFB-Rekordmeister sein?
Hier also die wahre Auflistung der deutschen Rekordmeister:
1906–1911 VfB Leipzig (Anzahl Titel: 2)
1911–1913 VfB Leipzig und BFC Viktoria 1889 (2)
1913–1924 VfB Leipzig (3)
1924–1925 VfB Leipzig und 1. FC Nürnberg (3)
1925–1942 1. FC Nürnberg (4–6)
1942–1948 1. FC Nürnberg und FC Schalke 04 (6)
1948–1958 1. FC Nürnberg (7)
1958–1961 1. FC Nürnberg und FC Schalke 04 (7)
1961–1986 1. FC Nürnberg (8–9)
1987 FC Bayern München (10)
1988 FC Bayern München und BFC Dynamo (10)
seit 1989 FC Bayern München (11–22)
Naja, viele Veränderung gibt es ja nicht. Nur 1988 amtierten FCB und BFC gleichzeitig als Rekordmeister. Ansonsten wird die Position des 60-jährigen Meisters Nürnberg nicht angegriffen. Die DDR-Geschichte war einfach zu kurz, um hier starke Verschiebungen zu erzeugen. Wer weiß was passiert wäre, wenn die Wiedervereinigung, wie Kohl im Frühjahr 1990 mutmaßte, noch gute zehn Jahre gedauert hätte?