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Der Vergleich: Die Blauen

Bei Grantland ist es beliebt Dinge Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Spaßig, dachte ich mir, und machte das auch mal. 

CHELSEA sind MAVERICKS 

Die offensichtlichen Gemeinsamkeiten zuerst: Chelsea und die Mavs teilen sich die gleiche Vereinsfarbe. Nämlich blau. Die Blues aus Chelsea und die Midnight Blues aus Dallas. Beide wurden in den Achtziger gewissermaßen neu gegründet. Die Mavericks damals als Nachfolge-Organisation der Dallas Chaparrals und Chelsea erfuhr nach dem Abstieg Anfang der Achtziger eine Runderneuerung in der 2. Liga, die schließlich mit dem Aufstieg 1988 abgeschlossen wurde. Auch der Weg danach ähnelte sich: Erst in den Nullern stiegen beide Teams zu einem ernsthaften Konkurrenten für Titelgewinne auf. Und erst als, wegen des Alters und des überschrittenen Zenits, keiner mehr mit ihnen rechnete, holten sie zum größtmöglichen Triumph aus: Dallas zum Gewinn der NBA 2011 und Chelsea zum Gewinn der Champions League 2012.

BALLACK ist NASH 

Abnorme Nationalitäten in abnormen Umgebungen. Nash, der Kanadier im tiefsten Texas und Ballack, das Kind des deutschen Sozialismus in der Weltstadt. Beide seltsam fremd und trotzdem heimisch. Beide große Strategen, mit dem Auge und der Technik andere in Szene zu setzen und genug Können, auch selbst gefährlich zu werden. Den größten Titel ihrer Teams erlebten sie allerdings aus der Ferne. 2011 war Nash bei den Phoenix Suns auf dem Abstellgleis der NBA, Ballack ist heute 2012 gar nichts mehr.

LAMPARD ist NOWITZKI 

Ehrlich gesagt, sportlich fällt der Vergleich schwerer. Denn Lampard strahlt bei Weitem nicht die Dominanz eines Nowitzkis aus. Auch wenn ihnen gemein ist, dass sie aus einer ungewöhnlichen Position eine ungewöhnliche Gefahr ausstrahlen. Lampard mit seinen Weitschüssen – und seinen im Alter selteneren Vorstößen in den Strafraum – und Nowitzki mit seinen Off-Balance-Regenbogen-Schüssen. Doch auf einer ikonischen Ebene, hält der Vergleich eher stand. Beide Gesichter sind unweigerlich mit Aufstieg der Teams in die Elite verbunden, beide leben den Verein, wie man so schön sagt, und beide haben eine fast skandalfreie Karriere, sind tief drin liebe Jungs geblieben. 

ABRAMOWITSCH ist CUBAN

Der Erfolg ihrer Teams ist unweigerlich mit diesen Typen, besser gesagt deren Geld, verbunden. Beide sind selbstgemachte Multimilliardäre, beide steckten Unsummen an Kohle in ihren Verein. Beide sehen fast jedes Spiel, beiden sagt man eine gewisse Extravaganz nach.   

DROGBA ist CHANDLER 

Zunächst gilt, dass beide auf dem Höhepunkt aus dem Verein ausscheiden. Drogba spielte gestern sein letztes Spiel für die Blues. Und auch der heutige Knicks-Center Tyson Chandler reckte damals in Dallas die Trophäe in dem Bewusstsein des nahen Abschieds in die Höhe. Nun operieren beide in entgegengesetzten Bereichen des Spielfeldes. Drogba ist der Angriffs-, Chandler der Defensivspezialist. Doch ihre Stärke ist der Gleiche, denn ihr bulliger Körper ist ihr Kapital. Zudem besitzen beide Vorzüge im Luftkampf, Drogba beim Kopfball, Chandler beim Rebound.

Abgestiegen.

Wie konnte es nur dazu kommen? Wieso endet die Saison des Effzehs schon wieder da unten? Zum fünften Mal soweit unten, dass ein Bundesligaabstieg die Konsequenz ist? Lag es am neuen Spielsystem? Am schlechten Umsetzen? An den fehlenden konditionellen Grundlagen? An der Disziplin? Am Pech? An dem Charakter der Spieler? Am falsch gepuzzleten Kader? An Solbakken? Geromel? Podolski? Am Umfeld?


Auf keine der Fragen gibt es zurzeit schlüssige Antworten. Was es gibt ist eine komische Mischung aus Leere und Wut. Leere, weil der Weg zum Abstieg irgendwie so seltsam emotionslos war. Es war ein Desaster das nur darauf gewartet hat zu passieren. Die Hoffnungslosigkeit, die sich aus den Auftritten der Mannschaft herauslesen ließen, übertrug sich allzu leicht auf die Tribünen.

Und da ist die Wut. Wut über Overath, dass er seine hohlen Versprechungen nicht ansatzweise erfüllen konnte. Wut über Volker Finke, der sich als intellektueller Teamplayer gab, dann aber einen hässlichen Egotrip fuhr. Und es gibt auch ein bisschen Enttäuschung. Über Solbakken beispielsweise, dass er unreflektiert gehandelt hat und zu grün war. Über die Spieler, dass sie sich nie den Arsch aufgerissen haben und jedes Spiel im Kopf schon als Verlierer begonnen haben.

Und es gibt weiterhin schieres Entsetzen über das Begleitorchester zum allwöchentlich schrecklichen Schauspiel auf dem grünen Rasen. Über den Kot in Tüten auf Schalke, den abgedrängten Gladbacher Bus, Kadlecs gebrochene Nase. Über die geballte Dummheit der Leute die sich da tummeln. Und die kleine Rauchbombe nach dem Bayernspiel ist da noch harmlos. Aber das nur nebenbei.

Aber ein Kölner ist kein Kölner, wenn er nicht auch im schlimmsten Zustand immer das positive sieht. Podolski geht? Gut, dann gibt es endlich Platz für einen neuen Prinz, vielleicht ja nun doch noch Mitchell Weiser. Montags in der zweiten Liga? Das ist die Zeit wo in Zukunft wieder Erfolge befeiert werden können. Und vielleicht kommt ja auch bald der Aufstieg, und vielleicht ein, zwei Siege und schon darf wieder ganz realistisch von Europa, der Meisterschale und der Weltherrschaft geträumt werden. Bis zum nächsten Abstieg.

Sterben ohne Wahl

»Partir, c’est toujours mourir un peu!«, sagt der Franzos. Abschied nehmen ist ein bisschen wie sterben. In der mit martialischem Wortschatz überfluteten Fußballwelt, gilt das wie nirgendwo anders. Kleine Tode, ohne wirkliches Ableben versteht sich, lauern im Fußball überall und sind besonders dann grausam, wenn jemand geht, wenn ein Spieler den Verein verlässt, wenn ein Verein die Liga verlässt oder wenn sich alle gegenseitig verlassen. Immer und überall menschelt es dann plötzlich. Der Fußball, sonst doch so technokratisch, durchgestylt, kommerzialisiert und „modern“, wird plötzlich emotional und ehrlich. 

Der Abschied ist die letzte hochheilige Bastion der Fans. In Zeiten wo das Anfeuern und das Freuen choreographiert sind, ist die Trauer über den Verlust immer noch ehrlich. Jeder trauert für sich allein. Gladbacher trauern alleine darüber, dass mit Reus und Dante zwei der wichtigsten Spieler gehen, und dass es am Ende nicht mehr geworden ist als der 4. Platz. Die Freude über die Erfolge überwiegt vielleicht, doch ein bisschen wird auch in Gladbach gestorben. 

Doch die Zeiten ändern sich. Zwar wurde das letzte Heim-Goodbye von Michael Ballack noch nicht von Doppelherz präsentiert, doch wirkte die plötzliche Heimeligkeit gekünstelt. Wieso steht der Mann, der in letzten Saisons mehr Unruhe verbreitete, als geniale Pässe, auf einmal auf dem Zaun und wird gefeiert? Wieso wird ein Pizarro geehrt, der in den letzten Wochen irgendwie die Lust verlor? Warum trauern die Schalker Rául derart hinterher? Da muss getrauert werden, da wird immer mehr verloren und Abschied genommen. 

Doch ist es vielleicht nicht mehr, als der Versuch Tradition und Zusammengehörigkeit zu vermitteln, wo eigentlich mehr Business und Kaltherzigkeit ist? Da wird versucht, dem Abschied eine gewisse Ausweglosigkeit beizumischen, wo es Alternativen hätte geben können. Wahre Trauer und wirklich schlimmes Sterben, gibt es demnach nur dort, wo es keine andere Wahl gibt. In Köln oder in Berlin, am nächsten Wochenende.

Die Sache mit den Extremen

Mit Extremen ist das so eine Sache. Unter der Oberfläche, auf der zwei Extreme grundverschieden scheinen, haben sie meist mehr gemein, als man glaubt. Ohne mit der politischen Extremismusdebatte anzufangen, bei der ja die Kritik meist daraus besteht, schon den Begriff an sich und die politische Einteilbarkeit in Rechts und Links zu diskreditieren, setze ich das Gemeinsame als gegeben voraus. „Die Extreme berühren sich“, heißt es in einem französischen Sprichwort. 

Im Fußball kann es sich mit den Extremen, wie gestern gesehen, so verhalten: die einen spielen extrem viel mit dem Ball, weil sie es können. Die anderen extrem viel ohne den Ball (oder dagegen), weil sie es müssen. Die Einen spielen so, weil sie wollen, die Anderen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Auf eine Aktion folgt eine Reaktion. Und je extremer die Aktion, desto extremer die Reaktion. 

Den Berührungspunkt allerdings, gibt es auch hier. Barcelona gibt den Ball ja nicht aus reinem Selbstzweck nicht her. Sie wollen nicht, dass der Gegner ihn hat, denn Barcelona will kein Tor kassieren. Chelsea stellt ja nicht aus reinem Selbstzweck das Spielen ein. Würden sie versuchen dies zu tun, würden sie ein Tor nach dem anderen kassieren. Weil Barcelona die sich ergebenden Räume gnadenlos nutzen würde. Chelsea will kein Tor kassieren. Zwei erzkonservative Spielideen.

Barcelona will auf Gedeih und Verderb kein Tor kassieren, und der Gegner hat nur dann eine Chance, wenn er diese Prämisse übernimmt, eben aber den extremstmöglich anderen Ansatz wählt. Deswegen sind die meisten Spiele von Barcelona so hässlich – womit nicht die Ballzirkulation gemeint ist, die phantastisch keine Frage. Das zielt vielmehr auf die geringe Veränderung der Spielszenarien ab. Barcelona-Spiele sind Belagerungsspiele. Und Belagerungen sind zermürbend. Für den Belagerten (der zwischendurch mal Teer und Federn oder Knie in den Hintern schmeißt), wie für den Betrachter.

Sepp Maiers “We Are The Champions”

Am Einlass des Fußballfilmfestivals 11mm stand ein Mitarbeiter und bearbeitete gerade die Gästeliste. Massenhaft Pressevertreter von regionalen und überregionalen Fachzeitschriften, Tageszeitungen, Rundfunkanstalten waren auf den unzähligen Seiten Papier aufgelistet. 500 zahlende Besucher warteten währenddessen draußen auf die Öffnung der Türen. Alle waren gekommen, um der Welturaufführung des Films „We are the Champions“ beizuwohnen. „Ihr seit jetzt berühmt“, rief von hinten einer, der offensichtlich mit dem Administrator der Gästeliste eine Freundschaft teilt. „Da muss nur dieser alte Torwart kommen und schon seid ihr in der Tagesschau.“ Die berichtete nämlich, ebenso wie die 11 Freunde, über die Vorführung des Films, der Sachen zeigt „die du sonst nirgends zu sehen bekommst“, wie es der Regisseur ausdrückte.

Vor der Aufführung des Films stellte der Filmemacher, kein geringerer als Torwartlegende Sepp Maier, mit Heribert Faßbender in einem Interview die Entstehungsgeschichte seines Films vor. Der damalige Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft habe schon immer gerne „photogragephiert“ und sich eben dann 1990 dazu entschlossen, eine brandneue Kamera zu kaufen. Doch eine tolle Super 8 alleine reicht lange nicht für einen Film. Es braucht ein Motiv. Also packte die „Katze von Antzing“ die Kamera in seine Sporttasche und fuhr mit ihr in Richtung Italien. Zum Trainingslager, zu den WM-Spielen, in die Kabine und schließlich zum Titel.

Nur wenn Deutschland Weltmeister würde, so nahm er sich vor, wollte er sich die Arbeit machen. Sein Material schneiden, musikalisch untermalen, um der Mannschaft mit seinem Privatvideo ein Andenken zu hinterlassen. Deutschland wurde Weltmeister und Maier machte sich an sie Arbeit. „Da wirst du bekloppt“, sagt er heute, fast 22 Jahre später, über den Aufwand, den er damals betrieb. Das was heute „jeder Depp“ könne, Videos am Computer schneiden, war damals das mühevolle Handwerk eines Positiv-Verrückten. Und welche, wenn nicht diese Beschreibung, das macht auch dieser Film deutlich, passt besser zu Sepp Maier?

Man kann nicht sagen, Maier habe kompromisslos draufgehalten. In den ersten Minuten erschöpfte sich der Film in Landschaftsaufnahmen aus dem Trainingslager. Hier ein Busch, dort ein Baum, eine Aufnahme des Interieurs und wieder raus in die Natur. Begleitet von italienschen Klängen, bekannt aus jeder staubigen Pizzeria der Republik, präsentiert Maier seine Naturverbundenheit. Maier muss wenig Zeit gehabt und viel trainiert haben. Schließlich zeigt er lediglich wie die Spieler vor dem Spiel zum ersten Mal den Rasen betreten. Atmosphäre, Spielverläufe, Tore, einzelne Aktionen liefern herein geschnittene TV-Bilder.

Sieben Mal wiederholt sich dieser Ablauf, jeweils eingeleitet von einer typisch maierschen Graphik: Oben steht Deutschland unten der jeweilige Gegner. Nacheinander erscheint dann für jedes Tor ein Symbol. Ergebnis und Torfolge werden so sichtbar. Gegen die V.A.E. ploppen kleine Bilder von Ölfässern, gegen Kolumbien Spritzen, gegen die Niederlande Käse, gegen England Whiskeyflaschen, ins Bild. Wie war das mit dem verrückt sein?

Das Gefühl hautnah dabei zu sein, stellt sich spätestens dann ein, wenn die Kamera in der Kabine eingeschaltet wird. Hemmungslos feiernde Spieler gröhlen, nackig wie Gott sie schuf, Siegeshymnen, klopfen gegen Wände, Schränke und Mitspieler. Dazwischen immer wieder Funktionäre, die sich in Lockerheit üben wollen und dabei gnadenlos scheitern. Nach dem Finale lugt Kanzler Kohl von links ins Bild und prostet freundlich mit seinem Plastikbecher. Abgesehen von diesen prominenten Besuchern sind das Szenen, wie sie in jeder Kabine eines jeden x-beliebigen Vereines stattfinden. Nur handelt es sich eben um Matthäus, Illgner, Häßler, Buchwald die da ihren Arsch ins Bild halten. Weltmeister. Hätten sie ihre Mythenhaftigkeit durch vermasselte Trainer- und Funktionärskarrieren nicht längst allesamt verloren, dies wäre ihr Sündenfall.

Auch wenn der knapp einstündige Film einen sehr kleinen Ausschnitt zeigt, sind einzelne Charaktere gut zu studieren. Littbarski, zum Beispiel, ist stets der Spaßvogel. Mal sucht er im Kopf eines Mitspielers nach fiktiven Läusen, mal seift er sich, mitsamt seines Trainingsanzugs, unter der Dusche ein. Klinsmann war schon damals der verträumte Eigenbrödler, der allein durch seine ungewöhnliche Körpersprache auffällt. Weitere Highlights sind zweifelsohne die vorgetäuschte Kotzattacke des Neu-DFB-Präsidenten Niersbach sowie die Szenen am Morgen nach der „Weltmeisterfeier“. Der Zuschauer blickt in die leeren und alkoholgezeichneten Gesichter, als sich eine Spielerfrau nicht mehr halten kann und schließlich rechts aus dem Bild kippt.

In solchen Momenten vermittelt der Film ein Gefühl der Nähe zu den Helden von 1990, wie ihn etwa das Sommermärchen von Sönke Wortmann nicht herstellen konnte. Anders als die 2006er-Generation spielten die Weltmeister von 1990 keine Rolle für die Öffentlichkeit. Sie gaben sich der Kamera hin, in dem Bewusstsein, dass außer ihnen keiner jemals das Material sehen würde. Daraus zieht der Film seine Faszination.

Gestern schloss das 11mm-Filmfestival seine Pforten. Und damit verschwindet auch „We are the Champions“ wieder aus der Fußballwelt und kehrt zurück in Maiers Privatarchiv. Den Filmemacher selbst stört das nicht, konnte er doch von Anbeginn mit dem Hype wenig anfangen: „Ich glaube, die Leute sind verrückt. 22 Jahre nach der WM immer noch so ein Interesse. Hoffentlich muss ich den Film in 20 Jahren nicht nochmal zeigen. Ich hoffe, die Mannschaft hat bis dahin mal wieder einen WM-Titel geholt.“

Wasser Enorm!

Die Entdeckung des sonntäglichen Kioskbesuchs, zugegenermaßen nicht von mir: Enorm. Das Wirtschaftsmagazin. Öde? Keinesfalls, denn es geht um nachhaltiges Wirtschaften, nicht um dieses ganze profitgierige Ekelzeugs, von dem man jetzt überall hört und liest.

In einem Artikel geht es um Benjamin Adrion, der zwischen 2004 und 2007 37 Spiele für den FC St. Pauli bestritten hatte und dessen Projekt Viva con Agua de St.Pauli, das sauberes Trinkwasser dorthin bringt wo es benötigt wird. 

Ich kannte das alles nicht, finde es toll und gucke mir jetzt erstmal noch diesen Auftritt Adrions in der NDR Talkshow an: “Viva con Agua”-Gründer Adrion.

Die englische Krankheit

Bericht zum Spielfilm Der ganz große Traum!

Es wäre simpel den Film als den „ganz großen Alptraum“ abzustempeln. Denn er lässt kaum eine Chance genutzt, um seine Herkunft zu verbergen, die gleichsam seine Qualität definiert. Im Land der geförderten Filmprojekte kommt eben leider zu meist ein solch überproduziertes, kitschiges, spannungsarmes Etwas heraus, das dann sogar von einem guten Hauptdarsteller nicht mehr gerettet werden kann.

Daniel Brühl spielt Konrad Koch, der an einem Braunschweiger Gymnasium nur „Das Projekt“ genannt wird. Koch, der anstatt im Kriege gegen den Franzosen für das Reich zu kämpfen auf den britischen Inseln studierte, soll den Schülern der Untertertia die englische Sprache näher bringen. Doch das innovative Projekt des weltoffenen Direktors stößt nicht nur bei dem konservativ-kaisergläubigen Förderverein auf wenig Gegenliebe. Auch die germanisch gedrillten Schüler opponieren dagegen, die Sprache der Untermenschen von der Insel zu lernen. Bis Koch den Ball herausholt.

Es entwickelt sich ein Konflikt um das unflätige Spiel, dem nachgesagt wird es wäre zu anarchisch und würde die Kinder verrohen und damit entgegen all der Grundwerte des frühen Kaiserreiches stehen. Der Konflikt zwischen konservativem Traditionalismus und Reformismus ist jedoch nie mehr als ein Generationenkonflikt. Die alten Granden, deren Welt ein unabänderlicher Fluss an Wiederholung sein muss, stehen gegen den jungen Koch und „seine“ Schüler, denen eben jenes System zu rückwärtsgewandt erscheint. (Dass die Schüler das allerdings mimisch nicht transportieren können, liegt an der „deutschen Krankheit“: der puren Unfähigkeit ausreichend gute Kinderdarsteller zu finden und zu trainieren.)

Nicht nur dass der Film keinen Spannungsbogen hat, oder zumindest keinen guten denn er wird gleich zweimal aufgespannt, sondern viel unfreiwillige Komik hat sich eingeschlichen. Als Brühl einer Delegation das Abseits erklärt, tritt ausgerechnet die unscheinbarste Frau des ganzen Films auf den Plan. Erklärt dann aber leider die Regel, die seit 1925 galt und damit in den 1870er Jahren noch unbekannt gewesen sein dürfte. Als das „inoffizielle Länderspiel“ zwischen Kochs Jungs und den britischen Schülern seines Kumpels Ian stattfinden soll, bricht eine Frau in eine laufende Messe und ruft: „Es geht gegen die Engländer! Im Park!“ Solche und andere Kopfschüttelnauslösende Szenen gibt es zu Hauf.

Die Ausstattung des Filmes ist indes ausgezeichnet. Kostümierung, Gesichtsbehaarung, Sets, die manchmal zu übertrieben „auf alt“ getrimmt wurden, lassen die Frühjahre des Kaiserreichs und die Ankunft der Englischen Krankheit gut aufleben. Als filmisches Werk ist der „Ganz große Traum“ allerdings wenig wert.

Fakt des Films: Daniel Brühl kann den Ball in einem kleinen Raum, ohne Schnitt und ohne Double, gute 20-25 mal auf Fuß und Knie jonglieren. Wahnsinn!

Dreisatz: Ahmet Ertegün

Ein Fußballportät in drei unendlichen Sätzen

Obwohl Ahmet Ertegün, der als Diplomatensohn in den Vierzigern über London in die USA kam, über die Jahre den Doppelpunkt in seinem Nachnamen einbüßte, war er doch Zeit seines Lebens ein Lebemann mit orientalischem Einschlag, der seine Wurzeln nie vernachlässigte.

Früh begann er sich für die Welt des Souls, Jazz und Rythm & Blues zu begeistern, erlebte Konzerte und eiferte dem Lifestyle nach, baute eine Sammlung von über 30.000 Tonträgern auf, bevor er mit einem Bekannten das Label Atlantic Records gründete, bei dem unter anderem Ray Charles und Aretha Franklin ihre Platten veröffentlichten.

Als er in den 1980er-Jahren die Rock and Roll Hall of Fame gründete, hatte er sein größtes Projekt abseits der Musik bereits ad acta gelegt, eine Menge Geld pulverisiert, aber Fußballgrößen aus aller Welt einen Einblick in das Leben des „Letzten Sultans“ gegeben: die Gründung und Führung des Fußballclubs New York Cosmos gemeinsam mit seinem Bruder Nesuhi, mit der er nichts als die Begeisterung für den Fußball teilte.

Dreisatz: Paul Lambert

Ein Fußballporträt in drei unendlichen Sätzen  

Als Paul Lambert nach nur 14 Monaten im Ruhrpott am 5. November 1997 sein  „Abschiedsspiel“  für Dortmund gegen den AC Parma bestritten hat, verlässt er als gefeierter Held und als erster Schotte der mit einem ausländischen Verein einen europäischen Titel holte, den Verein für den er im Champions League-Finale gegen Juventus Zinedine Zidane kalt stellte.

Diese fußballerisch und menschlich „dramatischte Phase“ seines Lebens beendete der „langsamste Schotte“ (Zorc über Lambert) nur deswegen so schnell, weil es seine Familie wieder zurück nach Schottlang zog, wo er zuvor bei Motherwell, und nach seiner Rückkehr bei Celtic spielte, und gerade dort durch seine durchschlagende Führungsrolle beim „Stopping the Ten“ zur Legende wurde. 

Obwohl der emotionale Musterprofi sich nach der gescheiterten EURO-Qualifikation 2000 eigentlich aus der Nationalmannschaft zurückgezogen hatte, gab er dem Flehen Berti Vogts’ nach, feierte seine, wenn auch wenig erfolgreiche, Rückkehr, absolvierte nach dem Ablauf seiner Sportlerkarriere, wieder mit der Hilfe Vogts’, seinen Trainerschein beim DFB in Köln und ist somit heute der erste in Deutschland ausgebildete Trainer in der Premier League, wo er Norwich City leitet.

Any Given Weekend: Über ein Lambert-Interview in der FourFourTwo.

Footballers Lives (Doku): The Paul Lambert-Story 

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