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Dreisatz: Enzo Francescoli

Ein Fußballporträt in drei Sätzen

Im Jahrzehnt des raubeinigen Fußballs der Achtziger spielte sie die Hauptrolle, die Spezies der eleganten leichtfüßigen Spielmacher, der Zehner, und Enzo Francescoli war einer ihrer herausragendsten Vertreter.

Der torhungrige Francescoli, Namenspatron für Zidanes Sohn Enzo, wird als geborener Uruguayer heute in Argentinien als El Príncipe (Der Prinz) ebenso verehrt wird wie Maradona und wurde von Pelé anlässlich des 50-jährigen Bestehens der FIFA zum einzigen Vertreter der La Celeste in der Liste der 100 besten, lebenden Fußballer gewählt.

Seine großen Erfolge feierte der in seinen Jugendjahren in Penarol für zu schmächtig befundende Dribbler, nicht in Europa, wo er zwar kurz Teil von Tapias Marseilles-Projektes war (Meister 1990) und in der Seria A (Cagliari Calcio und Torino Calcio) zeitweise um die internationalen Plätze mitspielte, sondern in Südamerika, mit dem dreifachen Gewinn der Copa América und fünf Meisterschaften mit “seinem Club” River Plate.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : Werder Bremen (5)

Trainingsläger (ich hab nachgeguckt) in Belek waren ja dieses Jahr besonders turbulent. Im Allgemeinen wegen des miserablen Wetters, und für Bremen im Speziellen, weil dort so viel schief ging: Naldo verletzte sich, ein Testspiel musste abgesagt werden, eines wurde von einem Betrüger geleitet. Wenigstens konnte Bremen gegen AZ Alkmaar den ersten Sieg im vierten Jahr in Belek feiern. Hoffentlich ein gutes Omen.

Denn auf fremden Plätzen steht Bremen, wenn dann, neben sich: nur acht Punkte aus neun Auswärtsspielen. Zu Hause, im neuen Stadion, allerdings ist Bremen eine Macht, die beste Heimmannschaft der Liga. Die gute alte Raute lieferte daheim endlich wieder Stabilität, Sicherheit und eine Saison, in der Bremen wieder in ruhigem Fahrwasser fährt.

Im Moment lebt Werder von wenigen Spielern mit guter Form. Dazu zählt nicht nur Claudio Pizarro, der an den meisten Toren beteiligt war, sondern auch Kapitän Clemens Fritz, Sokratis oder Aaron Hunt. Dahinter gibt es immer noch zu viele Spieler, die nicht liefern. Wolf verschuldete viele Tore, Wesley gilt langsam als der nächste Brasilien-Flop und für Marko Marin ist in der Raute kein Platz.

Letzter Beweis für die Zwei-Klassen-Gesellschaft in Bremens Kader war die 0:3-Testspielniederlage unter der Woche gegen Rostock, als viele Leistungsträger geschont wurden. „So können wir als Werder Bremen nicht auftreten. Das können wir so nicht hinnehmen“, schimpfte Allofs via Vereinswebsite. Allerdings nannte er keine Spielernamen. „Das machen wir hinter verschlossenen Türen. Diese Kritik gilt aber für sehr viele Spieler.“

Schaafs Aufgabe wird es sein, das Niveau der Mannschaft anzugleichen. Und dabei bestenfalls die Form von Pizarro und Co zu halten. Da die Kassen leer sind, will der Trainer wieder versuchen Jugendspieler einzubauen. Tom Trybull soll es diesmal schaffen. Thy, Avdic, Kroos, Ignjovski, Trinks warten auf ihre Chance. Eine echte Verstärkung könnte zudem Mehmet Ekici werden, der eine gute Vorbereitung hatte.

Es gibt wenig Gründe, warum Bremen seine Heimmacht verlieren sollte. Denn Werder steht auf einem sicheren Fundament mit geübter Grundformation, Naldo in der Verteidigung und einigen Leitwölfen. Mischt das Trainerteam nun die richtige Menge Spritzigkeit und Unternehmungsgeist ins Stammteam, qualifiziert sich Werder problemlos für einen internationalen Wettbewerb.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : VfB Stuttgart (8)

Jetzt gilt es. Jetzt ist die Zeit in der Problem-Bruno beweisen muss, dass er mehr kann, als eine Mannschaft kurz aufzukochen. Zuletzt am Ende der Rückrunde etwas kriselnd, krempelt Labbadia daher im Trainingslager die Hierarchie und das System auf links. Er weiß, dass seine Änderungen fruchten müssen. „In der Bundesliga sollten wir in beide Richtungen gucken.“ Geht er Blick nach unten, steht Labbadia im Fadenkreuz.

Die Änderungen sind massiv: Serdar Tasci löste Matthieu Delpierre als Mannschaftskapitän ab. Dem Vizekapitän Cacau wurde bei der Wahl zum Mannschaftsrat das Vertrauen entzogen. Die Karriere des Deutsch-Brasilianers geht von „hundert auf fast null“ (ZEIT), die Mannschaft vertraut ihm nicht mehr, das Verhältnis zu Trainer ist nicht das Beste. Wenn Cacau noch Unterstützer in der Mannschaft hat, droht Grüppchenbildung.

Auch auf dem Platz soll Cacau nicht mehr Alleinunterhalter im Sturm sein. Labbadia plant eine Doppelspitze aufzubieten. „Neben dem 4-4-2 ist auch das 4-1-3-2-System eine Option“, sagte der Übungsleiter. Da Cacau eigentlich nicht mehr tragbar erscheint, arbeitet Stuttgart zudem daran Srdjan Lakic von Wolfsburg zu holen. Mit ihm könnten sich Schieber oder ein tiefer agierender Mittelfeldspieler wie Harnik oder Okazaki verpartnern.

Nicht vergessen werden darf, dass die Hinrundenbilanz im Gesamten nicht schlecht ist. Zum ersten mal seit drei Jahren, gab es ein solides Abschneiden. Jedes mal wusste sich Stuttgart in der Rückrunde beträchtlich zu steigern. Gilt der Spruch des kroatischen VfB-Trainers Otto Baric von 1985 „Kommt Frühling, kommt VfB“ auch dieses Jahr?

Die Tendenz sieht anders aus. Stuttgart feierte nur einen Sieg in den letzten acht Spielen,  gegen Augsburg. Sie vollführten jetzt einen Umbruch, wie andere ihn im Sommer tun. Bolzten zudem im Trainingslager mehr Kondition, als das neue System einzuüben. Dessen Hauptbestandteil, ein wuchtiger Stürmer, steht noch gar nicht im Kader. 2009, 2010 und 2011 „kam Frühling“ in Stuttgart ja nur dann, wenn „kam Trainer“.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : TSG Hoffenheim (9)

„Wir haben eine sehr schlechte Vorrunde gespielt.“ So lautet das Fazit der Hoffenheim-Kapitän Andres Beck im Mannheimer Morgen gezogen hat. Ein Zeichen, dass die sportlichen Ansprüche keine Änderung, analog zu den ökonomischen Zielen, erfahren haben. Mehr noch, soll der Verein ohne die Finanzkraft der Vorjahre, noch besseren erfolgreicheren Fußball spielen. Tore schießen ohne Geld. Das hat in Hoffenheim noch nie geklappt.

Andreas Beck weiter: „In der Rückrunde wollen wir jetzt unbedingt den Spieß umdrehen.“ Heißt, irgendwie aus dieser phlegmatischen Phase seit herauskommen. In der Hoffenheim alles vermissen ließ, was sie einst zur Attraktion in der Bundesliga gemacht hat: systematisches, laufintensives, technisches Spiel, mit einem hohen „Entertainment“-Faktor. Ohne das ist Hoffenheim eine graue Maus, ästhetisch und tabellarisch.

Diese Phase läuft nun schon seit Spieltag Neun, mit Niederlagen gegen da noch unterirdische Hamburger, Unentschieden gegen Freiburg und Kaiserslautern. Ab hier begann auch Trainer Stanislawski die Mannschaft mehr und mehr zu beschützen. Als es noch Siege hagelte, wusste Stanislawski immer noch etwas zu kritisieren. Eine komische Herangehensweise, mit der er wohl versucht die Strukturen aufzubrechen: „Das war schon krass, dass hier alles emotionslos abging, alles sehr abgeschottet war.“

Stanislawskis Aufgabenkatalog war und bleibt also enorm: ein neues Denken implementieren, Geld einsparen (zirka 15 Millionen allein an Gehaltseinsparungen), die Mannschaft umbauen, also Talente aufbauen, gewachsene Spieler, wenn möglich mit Gewinn, ziehen lassen, jetzt endlich mal eine bessere Rück- als Vorrunde spielen. Und nebenbei nicht weniger sein, als der Mann der diesen Wandel verkörpert und verkauft.

Dass darunter die Leistung der Mannschaft leidet ist wohl klar. Das Problem der schwachen Schlussphase ist immer noch nicht gelöst. In der Hinrunde schmissen die Spieler wieder sieben Punkte in der Schlussviertelstunde weg. Ohne ein wirkliches Konzept – Stanislawski favorisiert ein 4-2-4-0, mit „kreativer Anarchie“ und vertraut auf die Kreativität der Offensivkräfte – und mit immer weniger Qualität (gerade gingen Obasi und Sigurdsson), dürfte es an ein Wunder grenzen, wenn Hoffenheim dieses Jahr den Kreislauf gute Vorrunde, schlechtere Rückrunde durchbricht.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : 1. FC Köln (10)

Kölns Leistungen der Vorrunde schwankten zwischen genial und wahnsinnig. Da war der Sieg gegen Leverkusen, wo der Effzeh fast genau nach Solbakkens Vorstellung spielte, der beste Podolski seit immer und immerhin die zweitbeste Hinrunde im vierten Jahr Bundesliga. Da war aber auch das wehrlose Schlachtfest gegen den BVB – so einseitig wie auf der Playstation, sagte Neven Subotic – oder das komische 5-4-1-Experiment gegen die Bayern.

Das Solbakkensche Spielsystem, es ist noch nicht eingeschliffen. Wie auch? Die Umstellung dürfte für nicht wenige Spieler immens sein. Anstatt eines Pressings, steht Köln passiv, verschiebend, wartend. Anstatt eines risikoarmen Offensivspiels, geht es kompromisslos nach vorne. Alles steht und fällt mit der Präzision und, vor allem, der Konzentration. Und die verloren die Spieler einige Male, besonders nach einem Rückstand.

Probleme die ja vielleicht Solbakkens Frau lösen könnte, denn sie ist Psychologin. Bei allen Problemen auf dem Platz hat jedoch der Coach selbst das sagen. Nach der Rückrunde konstatierte er, dass „wir stabiler werden müssen. Aber das ist kein Konzeptproblem. Auf der rechten Seite funktioniert das wunderbar. Auf der gesamten linken Seite können wir die Balance noch verbessern.“ Nach dem Trainingslager kündigte er an, dass die Balance nun gefunden sei, und dass Köln in der Rückrunde 10-15 Tore weniger kassieren kann.

Und dass sie vorne ebenso viele mehr machen können, dafür soll Milivoje Novakovic sorgen. Er fehlte, als Typ Strafraumstürmer, in der Hinrunde an allen Ecken und Enden. Wegen ihm sprach Solbakken ein Flankenverbot aus, das nun aufgehoben ist. Im Duett mit Podolski soll Novakovic nun das Kölner Offensivspiel variabler gestalten. Podolski blickt dem erwartungsvoll entgegen und will mit Nova auf Platz 7 stürmen.

Und selbst aus berufenem Munde, kommt eine positive Prognose. Im Kicker erklärte Meistertrainer Jürgen Klopp den Effzeh zu einem möglichen Überraschungsteam. Und wer weiß, wenn die Abwehr wirklich stabiler wird und personell, wegen Verletzungen und Sperren, nicht mehr so viel rotieren muss, dann hat Köln definitiv eine Grundlage, auf der mehr als die 21 Punkte der Hinrunde geholt werden können.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12: Hertha BSC (11)

Die Alte Dame hat im Winter einen großen Umbruch geschaffen. Markus Babbel, der Architekt des Wiederaufstiegs, musste gehen, weil er sich zierte ein klares Bekenntnis zum Klub abzugeben. Es war eine Trennung mit langem Vorlauf. Und einem unrühmlichen Ende. Eine Schlammschlacht, bei der es am Ende keine Möglichkeit mehr gab, die gegenseitigen Beschuldigungen und Beleidigungen zu bewerten und festzustellen, wer hier eigentlich noch Gut und Böse ist.

Und nicht nur die Medien wurden nervös, auch die Mannschaft. Zunehmend genervt, mit immer weniger Lust auf den Trainer, so liest man heute, gewannen sie keines der letzten sechs Hinrundenspiele – darunter zwei Unentschieden gegen Freiburg und Kaiserslautern. Ein Fingerzeig in welche Richtung es in der Rückrunde hätte gehen können, mit dem negativen Trend und Babbel als lame duck, einem lahmen machtlosen, Trainer auf der Bank? Passierte Babbels Rauswurf auch wegen sportlichen Motiven?

Wenn ja, dann bringt Michael Skibbe wenigstens eines: frischen Wind. Der „Gute-Laune-Onkel“ (Kicker) bastelt an einer neuen Vertrauensbasis und fordert die Spieler mehr. Nachdem es unter Babbel zuletzt beschaulich zuging (Trainingsfrei am Montag, Auslaufen am Dienstag), bringt Skibbe jetzt mehr Zug rein. „Es ist auffallend viel Leben in der Mannschaft,“ berichtet der Hertha BSC Blog der Berliner Morgenpost.

Am Schopf hat Skibbe die Hertha-Jungs also schon mal gepackt. Das Gesicht der Mannschaft jedoch soll sich wenig ändern. „Ich fange keine Experimente an,“ sagt Skibbe und verweist darauf, dass er plant, bald ein Gespräch mit Babbel über die Mannschaft zu führen. Denn das System soll bestehen bleiben: „Die Elf spielt homogen, steht kompakt,“ freut sich Skibbe über die Verdienste Babbels und lässt im Training fröhlich an den Grundlagen feilen. Dazu wieder der MoPo-Blog: „Das ist ja wie in der F-Jugend.“

Skibbe will am System und an der Bestückung dessen festhalten. Ein klarer Stamm von acht Spielern wird die Startelf bilden, wie bei Babbel. Theoretisch ist das eine gute Idee, da es ausreichend gut funktioniert hat, um die Hertha auf einen guten 11. Platz zu hieven. Doch die Gefahr besteht, dass Skibbes Gute-Laune-Masche sich innerhalb weniger Spiele versendet. Dann wenn die Ergebnisse nicht mehr stimmen. Skibbe ist und bleibt kein Erfolgsgarant, das war er nicht in Dortmund, Leverkusen, auch nicht in Frankfurt. Er ist solide. Genug, um die Hertha erstmal in der Liga zu halten. Knapp.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12: VfL Wolfsburg (12)

Felix Magath ist ein Mann ohne Gefühle. Zumindest muss man den Eindruck gewinnen. Wahrscheinlich ist es nur eine Schutzhülle, die es ihm ermöglicht zu einem der Dienstältesten Bundesligatrainer zu werden, und zu einem erfolgreichen noch dazu. Diese Gefühllosigkeit wird Magath meist deswegen attestiert, weil er Spieler handelt und tauscht, wie Match Attax-Karten.

Allein neun Spieler kamen diesen Winter schon. Ihre Namen sind allesamt nur Insidern ein Begriff. Die Abschussliste ist ungleich kürzer. Ein „heuern, feuern, umwälzen, verschleißen“ (FAZ) in dem kaum jemand einen Sinn sieht, außer Magath selbst. Doch vielleicht ist gerade dieser Punkt, in dem Magath am meisten kritisiert wird, seine größte Stärke. Denn eine überraschende Aussage des Transferbulimikers geht so: „Ein Spieler wie Felipe Lopes zum Beispiel, der kann, auch wenn er sich ebenfalls konditionell noch verbessern kann, nächste Woche in der Bundesliga spielen. Für Vieirinha und Giovanni Sio gilt das mit Abstrichen auch.“

Heißt: Die konkreten Veränderungen, am Kader im Einsatz, sind gering. „Die Spieler sind fast alles junge mit Perspektive, da ist es klar, dass wir bei den Verpflichtungen mehr Augenmerk darauf gelegt haben in Zukunft eine gute Rolle zu spielen“, sagt Magath. Das es für die Spieler aufwärts geht, hat er im Gefühl. Ebenso, dass der der VfL eine bessere Rückrunde spielen wird.

„In der Rückrunde werden wir eine bessere Punkteausbeute haben, eine bessere Mannschaft, stabilere Leistungen – und es wird in der Tabelle weit nach oben gehen.“ Nicht ausgeschlossen, denn Magaths Trial-and-Error-Prinzip beruht ja darauf, auf den Funken zu warten, der ad-hoc eine gute Elf zusammen schweißt.

Noch scheint der VfL unter Magath davon ein gutes Stück entfernt. Immerhin ist das 4-2-3-1 inzwischen recht gut eingespielt. So gut, dass Wolfsburg eine ordentliche Heimbilanz aufweisen kann. Vier Siege und eine Niederlage, holten sie aus sieben Heimspielen. Baut Wolfsburg diese Bilanz aus, findet Magath eine homogene Truppe und eine Möglichkeit, um die fehlende Kreativität auszugleichen, könnte Wolfsburg einen sicheren Mittelfeldplatz ansteuern – Vertrauen wir auf Magaths Gefühl.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12: Hamburger SV (13)

Das Abstiegsgespenst spukt jetzt woanders, dank Thorsten Fink. Er hat innerhalb kürzester Zeit den HSV stabilisiert, kaum Spiele verloren. Ein entscheidender Vorteil gegenüber seinem Vorgänger ist, dass Fink Selbstbewusstsein ausstrahlt. Er kam, redete den Verein, die Spieler, groß, und formulierte klare Ziele: „Mittelmaß kann nicht der Anspruch des HSV sein. Und es ist auch nicht mein Anspruch.“ Sogar von der Champions League redete Fink.

Die Realität ist freilich noch eine andere. Platz 13, nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, geben keinen Anlass sich hängen zu lassen. Trotz der guten Ergebnisse hat der HSV selten überzeugt – was allerdings auch kein Nachteil im Abstiegskampf ist. Ein weiterer Vorteil: Fink setzt auf personelle Stabilität, verändert sein Spielsystem kaum, und darf so darauf zählen, dass sich die Mannschaft mehr und mehr einspielt.

Anerkannt werden muss auch, dass der HSV im Sommer die Mannschaft komplett auf links krempelte. Jung gegen Alt, hieß das Credo von Manager Frank Arnesen. Die unerfahrenen Spieler sind nun eingewöhnt, die frei gewordenen Führungspositionen sind besetzt. Die Zeit arbeitet für die Hamburger.

Im extrem engen Mittelfeld der Liga, könnte der HSV eine der Überraschungsmannschaften der Rückrunde werden. Wenn Töre der einzig Verletzte bleibt und wenn das Auftaktprogramm positiv bestritten wird. Problematisch, denn die heimschwachen Hanseaten treffen zu Hause gleich auf Dortmund, Bayern und Bremen. Nach oben luken wäre bei Siegen nicht verboten, nach den Zerwürfnissen der Oenning-Zeit ist ein ruhiges Ausklingen der Saison jedoch schon viel Wert.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12: FSV Mainz 05 (14)

Die Lage in Mainz ist gefährlich. Allerdings nicht mehr so, wie noch vor zwei Monaten. Damals waren die Überbleibsel der „Bruchweg Boys“ in der neuen Heimstätte noch sieglos, hatte keiner die Abgänge des Duos Schürrle/Holtby aufgefangen, hatte die Mannschaft die Aggressivität und Kompaktheit verloren.

Doch die schwache Vorrunde des FSV, lässt sich nicht allein den Abgängen und den elf Neuzugängen anhaften. Tuchels Systemwechsel auf ein 4-2-3-1 zu Saisonbeginn fruchtete nicht, so dass inzwischen wieder das 4-3-1-2 der Vorsaison (manchmal auch als Raute bezeichnet) praktiziert wird. Außerdem fehlt es an Eingespieltheit, „dieses blinde Selbstverständnis das es bei eingeübten Spielsituationen – zumindest ansatzweise – geben sollte. Zu oft weiß der ballbehauptende Spieler nicht, wohin er abspielen soll.“ (05erfan.info)

Außerdem fehlt Mainz der Killerinstinkt. Nicht nur beim Abschluss, sondern auch in den „heißen Phasen“ der Partien, in der „Crunch Time“ wie der Basketballer sagen würde. Da schmiss Mainz unheimlich viele Spiele und insgesamt sieben Punkte weg. Der Wiedergenesene Adam Szalai soll nun helfen, die erforderliche Mentalität wieder zu implementieren: Szalai habe, „eine gewisse Aura. Es taugt nicht jeder zum Hauptdarsteller, Adam schon“, sagt Trainer Tuchel.

Szalai soll das letzte Puzzlestück des Neustarts sein, den Tuchel bereits vor Wochen ausrief: mehr Teamgeist, mehr Aggressivität, mehr Abgezocktheit –so wie es der FSV beim Heimsieg gegen den FC Bayern sich selbst vorgemacht hat. Der Rückfall beim Pokalaus gegen Kiel (Heidel: „Normalerweise spielen nur charakterlose Mannschaften so wie wir“) ist mit den Pokalgesetzen abzutun. Mainz hat die Qualität, um sich noch vor dem 34. Spieltag zu retten. Und damit wären im Prinzip alle zufrieden, denn Mainz’ Sommerumbruch dauert an. Bis heute.

Bundesligacheck zur Rückrunde 11/12 : 1. FC Nürnberg (15)

Von den hinteren Teams hat sich der 1. FC Nürnberg am besten verstärkt, denn mit Hanno Balitsch kommt ein stabiler Führungsspieler. Den wird Dieter Hecking auch benötigen, denn Nürnberg war bis dato alles andere als stabil. Nach elf Spielen hatte der Glubb in der Hinrunde nur einen Sieg gefeiert und erst durch den Überraschungserfolg gegen Leverkusen etwas Rückenwind bekommen. 

Diesen Wind muss die junge Truppe, um frisch integrierte Talente wie Pekhart, Kamavuaka, Klose, Rakovsky und Didavi, nun aufnehmen. Helfen dabei soll auch Balitsch: „Ich weiß, dass er sportlich und charakterlich sehr gut in unser Team passen wird. Hanno bringt viel Erfahrung mit ins Team, die uns im Abstiegskampf weiterhelfen wird.“ Zum Rückrundenauftakt wird der Neuzugang allerdings noch fehlen. Auch gegen Hannover ist sein Einsatz nicht sicher: „Da steht ein ganz dickes Fragezeichen dahinter,“ so die Prognose aus Belek. 

Größtes Problem bei Nürnberg ist, neben der relativen Unerfahrenheit der Mannschaft, die Vielzahl an Verletzungen. Der Glubb geht „Fußkrank in die Rückrunde“, wie der Clubfans United-Bog es fasst. Nilsson, Chandler, Pinola, Feulner, nun auch Balitsch. Zwar ist im Angriff jeder fit, doch ergeben sich hier Verschiebungen aufgrund einer Systemumstellung. 

Hecking plant mit einem 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (eigentlich Simons und Balitsch), zwei Außen (Esswein, Eigler, Hlousek), sowie zwei Stürmern, „um mehr Torchancen herauszuarbeiten und nach Möglichkeit dann auch mehr Tore zu erzielen als in der Vorrunde.“ Alles läuft also auf eine kämpferische, defensive, konternde Mannschaft hinaus, die weiterhin so unbequem zu spielen sein wird, wie in der Vorrunde. 

Qualitativ ist Nürnberg stark genug, um neben Freiburg, Augsburg und Kaiserslautern, ein bis zwei weitere Teams hinter sich zu lassen. Dafür muss das neue Offensivsystem funktionieren, müssen die Verletzungen kompensiert und muss die Mannschaft die kämpferische Attitüde von Balitsch annehmen. Viele Aufgaben, deren Lösung Hecking allerdings zuzutrauen ist.

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